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Ein junger Paradieskranich im Kölner Zoo

Köln, 23. Juli 2015. Die Eltern unseres am 16. Juli geschlüpften Jungtieres sind sieben und sechs Jahre alt. Das Männchen stammt aus einer Zuchtanlage in Südafrika und das Weibchen wurde im Durrell Zoo auf der Insel Jersey geboren.

In den letzten beiden Jahren hatte das Paar ausschließlich unbefruchtete Eier und auch in diesem Jahr schlüpfte wieder nichts aus dem ersten Gelege, so dass wir uns entschlossen das Weibchen mit dem Samen des Männchens künstlich zu befruchten. Dazu mussten wir Männchen und Weibchen einige Tage an die Prozedur der Samengewinnung gewöhnen, erzielten hier aber schon nach wenigen Versuchen erste Erfolge. Aus dem zweiten Gelege konnte wir durch die künstliche Besamung das erste Ei befruchten und freuen uns nun endlich mal wieder ein Kranichküken dieser bedrohten Art aufziehen zu können.

Besonders das Männchen verteidigt den Nachwuchs vehement und greift unsere Pfleger beim Betreten des Geheges momentan sofort an. In europäischen Zoos leben derzeit 90 Vögel, die in einem europäischen Zuchtbuch (ESB) koordiniert werden. Dieses Jahr gab es bisher nur drei Jungtiere.

Der Paradieskranich (Anthropoides paradisea) ist eine Art aus der Familie der Kraniche. Er gilt als Nationalvogel Südafrikas. Der Paradieskranich erreicht eine Gesamtlänge von etwa 100 cm, eine Standhöhe von etwa 105 cm, eine Flügelspannweite von etwa 180 cm und ein Gewicht von 3 bis 5,5 kg. Männchen und Weibchen gleichen sich, allerdings sind Männchen im Mittel langbeiniger und schwerer als Weibchen.

Auffällig bei diesem Kranich sind die inneren schwarzen Armschwingen, die stark verlängert sind. Wie eine lange Schleppe hängen sie fast bis zum Boden herab. Das Gefieder ist blaugrau bis schiefergrau, wobei das Gesicht und der Oberkopf hellgrau bis weiß sind. Über den Augen befinden sich weiße Schmuckfederbüschel. Die Beine sind ebenfalls schwarz, der Schnabel dagegen rosaorange. Lose Federn an den Wangen und am Obernacken verleihen dem Kopf eine auffällige kobraförmige Form. Die Jungvögel sind heller gefärbt und ihnen fehlen die verlängerten Armschwingen.

Die Geschlechtsreife wird beim Paradieskranich mit rund vier Jahren erreicht. Die Kranichpaare leben in monogamer Einehe. Die Brutzeit beginnt in Südafrika mit dem Sommer, meist schon im September und kann sich durchaus bis Februar hinziehen. Der Paarung geht eine ausgedehnte Balz voraus. Die Balztänze bestehen aus Verbeugungen, kleinen Luftsprüngen, kreisrunden Läufen mit gespreizten Federn und flattern mit den Flügeln. Auch Steinchen und Gras werden aufgenommen und in die Luft geworfen.

Der bevorzugte Nistplatz wird in abgelegenen Wiesen oder Sumpfgebieten gesucht. Das Weibchen legt ihre zwei Eier in eine einfache Mulde, die nur spärlich mit einigen kleinen Aststückchen oder gar nicht ausgepolstert ist. Die beiden gesprenkelten Eier, die etwa 200 Gramm wiegen, werden abwechselnd von Männchen und Weibchen über einen Zeitraum von 30 Tagen bebrütet. Die Küken, die von beiden Eltern versorgt werden, sind Nestflüchter und haben nach dem Schlupf einen bräunlichen Flaum. Mit etwa drei Monaten sind die Jungvögel flügge. Ein Paradieskranich hat eine Lebenserwartung von gut 30 Jahren.

Die Nahrung besteht aus Kriechtieren, Fröschen, Fischen, Krabben und kleinen Säugetieren. Aber auch Samen, Gräser und Beeren stehen durchaus mit auf dem Speiseplan. Die Nahrung der Jungvögel besteht dagegen aus Insekten und deren Larven, Spinnen und Weichtieren.

Auf Nahrungssuche geht der Paradieskranich am Tage und bevorzugt feuchte Wiesen oder Sumpfgebiete, ist aber auch sehr häufig auf landwirtschaftlichen Nutzflächen zu sehen. Er ist außerhalb der Brutzeit meist in größeren Gruppen zu beobachten.

Seit den 1970er Jahren ist sein Bestand aufgrund der Verwendung von Pestiziden, der Bejagung durch Farmer, durch umfangreiche Aufforstungsprojekte in der Kulturlandschaft und durch Unfälle an Hochspannungsleitungen stark gesunken. Heute leben in Südafrika nur noch etwa 20.000 Exemplare dieser mittlerweile als global gefährdet eingestuften Art.

 

 

Kontakt für weitere Informationen:
AG Zoologischer Garten Köln
Bernd Marcordes
Riehler Straße 173
50735 Köln
0221/7785-108
0221/7785-111
marcordes@koelnerzoo.de

 

Fotos: Hans Feller

 

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