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Nachwuchs bei den seltenen Philippinenkrokodilen

Köln, 6. August 2015. Erstmals natürliche Aufzucht der vom Aussterben bedrohten Philippinenkrokodile in Europa gelungen – Für kurze Zeit sind die im Juli geschlüpften Jungtiere gemeinsam mit der Mutter in der Schauanlage im Kölner Zoo zu sehen.

Mit kaum mehr als 100 erwachsenen Tieren in freier Wildbahn gilt das Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) als eine der am stärksten bedrohten Krokodilarten der Welt. Im Kölner Zoo, von wo aus das „Europäische Zuchtbuch“ (Erhaltungszuchtprogramm) für die Art geführt wird, gelang 2013 mit den beiden Jungtieren „Una“ und „Pangalawa“ (philippinisch für „die erste“ und „die zweite“) die europaweit erste Nachzucht. Nachfolgend konnte die Art auch in weiteren europäischen Zoos vermehrt werden, sodass die Anzahl der in Europa gehaltenen Philippinenkrokodile mittlerweile erfreulich angewachsen ist und man das noch junge europäische Erhaltungszuchtprogramm als erfolgreich angelaufen betrachten kann.

Die Haltung dieser Art ist gar nicht so einfach, da Philippinenkrokodile innerartlich recht aggressiv sind und die meiste Zeit des Jahres voneinander getrennt gehalten werden müssen. Zusammenführungen werden im Kölner Zoo durch intensives Tiertraining – das so genannte Targettraining – gesteuert, wodurch die Tiere z. B. in Konfliktsituationen auf Abruf einfach voneinander zu trennen sind. Auch wird im Kölner Zoo das Verhalten dieser Art im Rahmen von Studentenarbeiten untersucht, da über die Biologie des Philippinenkrokodils aus freier Wildbahn bisher nur wenig bekannt ist. Durch unser so gewonnenes Wissen konnten wir das Paarungsspiel des Kölner Philippinenkrokodilpärchens – sie heißt „Mindo“ und er „Pinoy“ – im Februar 2015 (dieser Zeitpunkt entspricht der Paarungszeit auf den Philippinen) erstmals der Presse vorstellen.

Am 17. April 2015 kam es dann – zwei Jahre nach der europäischen Erstnachzucht – zu einer weiteren Eiablage in Köln. Wir entschieden uns dieses Mal nicht alle Eier in den Brutschrank (Inkubator) zu überführen, sondern einige wenige Eier im Nest zu belassen. Allerdings entwickelten sich die Eier dort nicht. Als wir nach 80 Tagen feststellten, dass die ersten Eier im Inkubator angepickt waren und der Schlupf kurz bevor stand, entschieden wir uns, die schlüpfenden Eier in den Nisthügel, den die Mutter in der Schauanlage vor der Eiablage aufgeschichtet hatte, zu überführen, um möglichst natürliche Aufzuchtbedingungen für Mutter und Jungtiere zu schaffen. Das Weibchen „Mindo“ sollte so die Chance bekommen, ihr natürliches Brutpflegeverhalten auszuleben und die Jungtiere beim Aufwachsen in der Gruppe in den ersten Wochen ein besseres Sozialverhalten ausprägen als bei einer Einzelaufzucht im Terrarium.

Die Mutter leistete, wie es zu Erwarten war, Schlupfhilfe, in dem sie mit ihren mächtigen und zahnbewehrten Kiefern vorsichtig half, die Eischalen zu öffnen und die Jungtiere im Maul ins Wasser trug. Seitdem leben Muttertier und Jungtiere gemeinsam in der Schauanlage, wo die Jungen von der Mutter bewacht werden. Jetzt, wo die drei Jungen regelmäßig Futter in Form von Insekten (Heimchen) zu sich nehmen, können wir die Krokodilfamilie erstmals unseren Besuchern vorstellen. Wir müssen aber dennoch einen kleinen Sicherheitsabstand zur Scheibe der Schauanlage einhalten, um die Mutter nicht zu beunruhigen. Auch wird dies nur für kurze Zeit möglich sein, da sich die jungen Krokodile mit zunehmendem Wachstum von der Mutter lösen werden und es auch untereinander zu Auseinandersetzungen kommen kann. Die Jungen werden dann separiert und später an andere interessierte Zoos weiter vermittelt werden.

Wir freuen uns sehr über diese geglückte natürliche Aufzucht, nicht nur weil es die erste (eingeleitete) Naturbrut in einem europäischen Zoo ist, sondern weil wir so auch Wissenslücken im bisher nur wenig erschlossenen Fortpflanzungs- und Sozialverhalten dieser vom Aussterben bedrohten Art schließen und anderen Zoos nützliche Informationen zur Haltung und Vermehrung des Philippinenkrokodils in Menschenhand zukommen lassen können.

 

Kontakt für weitere Informationen:

AG Zoologischer Garten Köln
Privatdozent Dr. Thomas Ziegler
Riehler Straße 173
50735 Köln
Tel.:       +49 (0) 221 7785 -104
Fax:       +49 (0) 221 7785 -111
E-Mail:   ziegler@koelnerzoo.de

  

 

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