BONOBO

 

[Pan paniscus | Pygmy Chimpanzee]

Systematik: Primaten, Große Menschenaffen

Verbreitung: Kongobecken

Lebensraum: Regenwälder

Tragzeit: ca. 8 Monate

Körpergewicht: 30 kg (w), 40 kg (m)

Bestand im Freiland:
wenige Tausend, vom Aussterben bedroht

Bestand in europäischen Zoos: ca. 70

Nahrung: Früchte, Blätter, Insekten


Beschreibung:


Ein Kommen und Gehen

Bonobos leben in den Regenwäldern des Kongobeckens. Sie wurden erst 1933 als eigene Art erkannt, zuvor wurden sie als ?normale? Schimpansen angesehen. Von diesen unterscheiden sie sich jedoch in körperlichen Merkmalen, sie sind langgliedriger und schlanker als Schimpansen. Auch im Verhalten gibt es Unterschiede.

Bonobos leben in Gemeinschaften von 50 bis 120 Tieren in einem Gebiet von etwa 100km². Die Mitglieder einer Gemeinschaft kennen sich gut, leben aber nicht ständig zusammen. Einige Tiere treffen sich für mehrere Stunden und gehen dann wieder auseinander. Eine solche Form des Zusammenlebens wird als fission-fusion-System bezeichnet. Es hat sich als Anpassung an das unregelmäßige Nahrungsangebot entwickelt. Denn die Hauptnahrung Früchte steht immer nur in kleinen Mengen zur Verfügung.

Die Weibchen verlassen die Gemeinschaft und schließen sich anderen Gemeinschaften an. Die Männchen haben oft eine enge Bindung an die Mutter und bleiben lebenslang in deren Nähe. Zwischen den einwandernden nicht verwandten Weibchen werden neue, feste Bindungen aufgebaut. Bei Konflikten um Futter oder Partner sind die Weibchen gegenüber den Männchen häufig überlegen, Spannungen werden aber nur selten aggressiv ausgetragen. Vielmehr werden sie über sexuelle Kontakte entschärft. Für Partner, die kommen und gehen, ist Sex insofern ein geeignetes Instrument, friedlich miteinander auszukommen.

Sex zur Entspannung

Bonobo-Weibchen fallen durch eine ausgeprägte Schwellung des Genitalbereichs auf, die nicht auf die Zeit der Empfängnisbereitschaft beschränkt ist, sondern den ganzen Zyklus anhält. Bonobos sind auf diese Weise ständig sexuell attraktiv.

Sie setzen Sex nämlich nicht nur zur Fortpflanzung, sondern auch als Kommunikationsmittel ein. Treffen sich Gruppenmitglieder, so beschnuppern sie sich erst einmal durch sexuelle Kontakte. Dadurch werden Spannungen vermieden oder abgebaut. Auch Konkurrenz um Partner oder Futter kann durch sexuelles Verhalten entschärft werden. Solche sozio-sexuellen Kontakte finden auch zwischen Tieren gleichen Geschlechts und zwischen Tieren aller Altersklassen statt.

Diese Form, Spannungen durch sexuelles Verhalten abzubauen trägt zu einem ausgesprochen friedlichen Miteinander bei. In Bonobo-Gemeinschaften können ebenso viele erwachsene Männchen und Weibchen gleichzeitig leben, eine Situation, die für Primaten ungewöhnlich ist.
Diese friedliebenden Tiere, die übrigens als unsere nächsten Verwandten gelten, haben das Unglück, in einem Land zu leben, dass immer wieder von kriegerischen Auseinandersetzungen heimgesucht wird. Der Bestand wird heute auf wenige tausend Tiere geschätzt.

 

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